Uncharted: The Lost Legacy
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BEWERTUNG |
13.09.2017 von Beef SupremeMit Uncharted 4: A Thief’s End hat Entwickler Naughty Dog die Geschichte um Nathan Drake zu einem fulminanten und würdigen Abschluss gebracht. Glücklicherweise bedeutete das damals noch nicht das Ende der Uncharted-Reihe. Mit Uncharted: The Lost Legacy dürfen wir uns ein vorerst letztes Mal auf die actionreiche Schatzsuche begeben, nur dass wir dieses Mal Nathans Flamme aus Teil 2 Chloe Frazer an der Seite von Nadine Ross, dem Böse-Buben-Sidekick aus dem vierten Teil, begleiten. Gelingt es den wehrhaften Damen an den Charme vom Erfolgsgespann Nathan und Sam Drake heranzureichen?
Alte Bekannte - Neue Feinde
Nathan hat sich mit seiner Familie endgültig zur Ruhe gesetzt. Das bedeutet aber nicht, dass alle Schätze gefunden, alle historischen Stätten un Schutt und Asche gelegt worden sind. Also übernimmt Chloe Frazer und macht sich auf den Weg nach Indien. Dort soll sich ein altes Horn, der Sage nach das Horn Ganeshs, einer mächtigen indischen Gottheit, herumtummeln. Historie hin, Legende her, das Teil bringt ordentlich Bares, Motivation genug, durch ein Land zu tingeln, das gerade am Rande des Bürgerkriegs steht. Doof nur, dass Separatistenanführer Asav sich nicht nur mit dem indischen Militär anlegt, sondern auch hinter dem Horn her ist. Wäre ja sonst auch zu leicht. Zum Glück hat Chloe Verstärkung in Form von Ex-Söldnertruppenanführerin Nadine Ross. Ihre Truppe Shoreline ist sie inzwischen los und verdingt sich als Solo-Söldnerin, aktuell auch in Indien, auf der Suche nach dem äußerst wertvollen Stück Elfenbein. Gemeinsam drischt, hüpft, ballert und rätselt sich das weibliche Duo Infernale durch verwinkelte Ruinen, überwucherten Dschungel, beengte Höhlen und weite Steppen. Und haben dabei ständig einen lockeren Spruch auf den Lippen, selbst wenn der Bleihagel mal dichter ist.
Indien - Ein Land voll Curry und Blei
Nach einem relativ gemächlichen Einstieg auf einem indischen Basar und einem darauffolgenden Stealth-Abschnitt in denen neben den bedeutenden Charakteren auch die neue Mechanik des Schlossknackens eingeführt wird, geht’s auch direkt Uncharted-typisch actionreich los. Um an das gewünschte Artefakt zu gelangen, muss nämlich zuerst Rebellenführer Asav beklaut werden, was dem natürlich nur so semi gefällt. Nachdem sich Chloe und Nadine also zügig neue Feinde gemacht haben, fliegen die Kugeln natürlich tief und The Lost Legacy zeigt, dass es ein waschechtes Uncharted ist. Gewohnt actionreich und filmreif inszeniert flieht man über die Dächer Indiens, während aus allen Rohren auf einen geschossen wird. Das macht Spaß, das macht Laune! Genau das richtige Maß zwischen spannungsgeladener Action und ruhigeren Erkundungsmomenten, das war schon immer die Stärke der Reihe und auch dieses Spin-Off stellt hier keine Ausnahme dar. Auf intensive Gefechte folgen ruhige Sequenzen, in denen man die beeindruckende Landschaft genießen und erkunden kann, Schätze sucht und sich einen Weg durch die hervorragend gestalteten Areale bahnt. The Lost Legacy bietet genau genommen wenig neues, doch das bewährte Konzept wird äußerst hochklassig und kurzweilig umgesetzt und Kenner der Reihe fühlen sich sofort zuhause. Seien es die gelungenen Kletterpassagen oder die ausgefeilten Rätsel, über denen man durchaus auch mal eine Weile brüten muss, um auf die Lösung zu kommen, langweilig wird’s in Indien jedenfalls nicht.
Bei den Kämpfen allerdings tritt ein leichtes Manko zutage. Vermeiden lassen sich die Auseinandersetzungen zwar nicht, Leichen pflastern also auf alle Fälle Chloes Weg, doch meist hat man die Wahl, Asavs Truppen leise um die Ecke zu bringen. Es scheint allerdings, als ob die indischen Rebellen alle was an den Augen hätten, denn deren Sichtradius ist außerordentlich eng und kurz. Anders kann ich es mir nicht erklären, wie es sonst möglich ist, sich so leicht an sie heranzuschleichen und ihnen das Gesicht in den Nacken zu drehen. Ohne größere Mühe ist es also möglich, ganze Camps auszulöschen, ohne dass auch nur ein Schuss fällt. Und das ohne größere Stealth-Mechaniken, wie Leichen verstecken oder Ablenkungen erzeugen. Stolpern Patrouillen auf einen gefallenen Mitstreiter, sind sie kurz verdutzt, jedoch lang genug, damit man sie gemütlich daneben legen kann. Und schnell ist dieses Malheur auch schon wieder vergessen. Kurz: Die Stealth-Passagen sind zu leicht.
Treffen sich ein Schatzsucher und ein Söldner...
Einen großen Teil des Charmes der Uncharted-Reihe machte schon immer die Beziehung der Charaktere untereinander aus. Seien es Nathan und Sully oder Nathan und Sam, ohne die Chemie zwischen dem immer präsenten Duo, wäre es nicht das Gleiche. Gleich vorweg, Sorgen an dieser Stelle sind unbegründet. Chloe erreicht zwar nicht ganz den lockeren Witz und die Sympathie eines Nathan Drake, doch das Gespann Frazer-Ross macht seine Sache mehr als gut und weiß mit einer natürlichen Beziehung, die sich im Laufe des Spiels immer weiter entwickelt, zu überzeugen. Anfangs nur auf professioneller Ebene nähern sich die beiden im Verlauf immer weiter an, was auch noch geschickt dazu genutzt wird, um die Storylücke zwischen Uncharted 4 und The Lost Legacy zu schließen, zumindest was Nadine und ihr Leben nach Shoreline betrifft. Man erfährt so einiges über die Hintergründe der beiden und ehe man sich versieht, sind einem die beiden fast so sehr ans Herz gewachsen, wie einstmals die Gebrüder Drake und Sully.
Es gibt viel zu tun...
Wer ob des Umfangs mit sich hadert, ob dieses quasi Add-On tatsächlich seine 40 Euro wert ist, dem sei gesagt, dass Uncharted: The Lost Legacy ordentlich Spielzeit bietet. Zwar nicht ganz so viel wie die vollwertigen Titel, doch je nach Schwierigkeitsgrad ist man durchaus zwischen 8 und 10 Stunden beschäftigt, bis man den Abspann scrollen sieht. Und diese Zeit ist wahrlich gut investiert, denn das Spiel bleibt durchweg interessant und spannend, einerseits was die Abwechslung der Spielmechanik angeht, andererseits entfaltet sich auch die Story um das Horn und den Geschehnissen im vom Bürgerkrieg geplagten Indien. Und ganz nebenbei frischt das Spiel auch das Wissen um die Mythologie Indiens auf. Wem das nicht reicht, kann sich im vollwertigen Uncharted 4-Multiplayer vergnügen, ohne Uncharted 4 besitzen zu müssen. Oder aber man schnappt sucht sich 2 weitere Mitstreiter und stellt sich im Survival-Modus immer weiternachrückenden Feindeswellen entgegen. Hier bekommt man noch was für sein Geld.
Zucker für die Sinne
Technisch ist Uncharted: The Lost Legacy wie gewohnt über jeden Zweifel erhaben. Optisch war und ist die Uncharted-Reihe weiterhin Referenz auf der PS4. Seien es Partikel-Effekte, Licht- und Schattenspielereien, wenn die Sonne zwischen dem Laub hervor scheint, überzeugende Spiegelungen im Wasser oder einfach die atemberaubende Architektur. Um hier was zu meckern zu finden, müsste man ganz genau hinschauen. Und dann wird man wohl eher von der detailverliebten Grafikpracht überwältigt, die die Jungs gewohnt flüssig auf die Bildschirme zaubern. Gleiches gilt für die akustische Untermalung, die immer stimmig zur Situation erklingt. Ob ruhige majestätische Klänge, wenn sich gerade ein atemberaubendes Panorama eröffnet oder treibende Sounds zum Klang der Sturmgewehre. Atmosphäre? Können sie. Nur die Steuerung reagiert manchmal etwas träge, was in hektischeren Situationen gelegentlich für ungewollte Aktionen sorgt. Abgesehen davon stellt Uncharted: The Lost Legacy zusammen mit Uncharted 4 weiterhin die technische Speerspitze der aktuellen Konsolengeneration dar. Cover & Bilder © 2017 Sony Interactive Entertainment America LLC. Published by Sony Interactive Entertainment Europe. Developed by Naughty Dog LLC. “Uncharted” is a trademark or a registered trademark of Sony Interactive Entertainment Europe. All rights reserved. Das Fazit von: Beef Supreme
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